Seien wir ehrlich: Welcher Single hat heute noch Zeit
für eine klassische Beziehung? Ich nicht.
Denn da wären: meine Arbeit, meine
Freunde, meine Interessen, meine kunstgerechte Selbstverwirklichung. Feste Posten, die allesamt keinen Spaß verstehen. Vor allem nicht, wenn es um
Unpünktlichkeit und eventuelle Pflichtvergessenheit geht.
Seit neuestem besuche ich außerdem einen Salsa-Kurs. Kein Scherz. So ein
"Bald-bewege-ich-mich-extrem-sexy"-Unterricht kostet nicht nur Puste und Nerven, sondern auch Zeit. Viel Zeit. Mein Terminkalender wiegt
mittlerweile mehr als ich.
Fakt ist, dass seine üblichen Freizeitaktivitäten dem bindungswilligen Single-Menschen manchen Verzicht
abverlangen. Zum Beispiel den auf eine Bindung. Ich meine: Wo soll ich bitte einen Freund unterbringen? Mein Single-Dasein lässt einfach keinen
Zentimeter Raum. So ein Paar-Ding ist schließlich eine anspruchsvolle Geschichte, die sich nicht mal eben in den täglichen Mittagspausen abhandeln
lässt.
Denn es ist sicherlich nur bedingt zumutbar, meine neue Bekanntschaft zwecks Kennenlernen zum gemeinsamen Genuss der Tagesthemen
einzuladen (…noch so ein fixer Termin).
Ebenso wenig kann ich jegliches Rendezvous
auf die Zeit nach Mitternacht legen (…vorher bleibt mir schlichtweg keine Zeit!).
Und Sex ausschließlich am Arbeitsplatz und/oder auf den Toiletten zwielichtiger Salsa-Clubs (zwischen zwei
Übungstänzen) praktizieren?
Gleichermaßen unangemessen, wie die gesamte
Beziehungsarbeit auf der morgendlichen U-Bahn-Fahrt abzuwickeln. Was soll ich also tun?
Gut, ich könnte die Sache abkürzen und gleich
einsteigen in das terminlich verträglichere Modell "Ich habe das Gefühl, wir kennen uns schon ewig" – "Ich fühle mich
unendlich geborgen bei dir" und "Du bist mir so vertraut". Auf diesem Weg könnte ich einfach weiter meinen gewohnten
Tagesaktivitäten nachgehen. Ich müsste mich lediglich auf das gemeinsame Einschlafen konzentrieren. Aber wer braucht und will das schon? Ich nicht.
Auf Dauer zu überflüssig und unbefriedigend. Zudem ist es wissenschaftlich erwiesen, dass es sich erholsamer alleine schläft. Und meine
Erholung brauche ich dringend!
Inzwischen bin ich mir sicher: Die klassische Beziehung funktioniert heutzutage schlicht und ergreifend nicht mehr.
Zumindest nicht für den Single-Mensch. Wenigstens nicht für mein persönliches Single-Ich.
Des Rätsels Lösung: Ein
Part-Time-Lover muss her! Einer, den ich „full time“ lieben und in Teilzeit treffen kann. Bestenfalls einer, der sich kunstgerecht
selbstverwirklicht und den Salsa-Hüftschwung in Reinform beherrscht.
Problem bei
dieser Geschichte ist, dass die Part-Time-Variante bisher leider noch nicht allzu verbreitet ist. Ganz im Gegensatz zu den landläufigen Modellen
"Single" versus "klassische Vollzeit-Partnerschaft".
Sprich: Wenn sich ein
Mann spontan zu dem Modell der Part-Time-Beziehung bereit erklärt, ist ihm in der Regel nicht vorbehaltlos über den Weg zu trauen.
In
den meisten Fällen hat dieser Typ Mann bereits eine Beziehung und ist in Wahrheit auf der Suche nach einem Part-Time-Verhältnis. Oder er hat keine
Beziehung - und das aus gutem Grund. Mir bleibt folglich die Wahl zwischen dem klassisch Gebundenen oder dem bindungsunfähigen Klassiker. Was im
Ergebnis auf dasselbe hinausläuft: Geeignete Part-Time-Lover sind rar gesät.
Dabei meine ich doch nur, dass Unabhängigkeit und
Bindungsfähigkeit kein Widerspruch sind. Ich wünsche mir einen Mann, der das begreift. Einen unabhängigen und zugleich bindungsfähigen
Lover. Von der kunstgerechten Selbstverwirklichung und dem Salsa-Hüftschwung mal abgesehen.
Werte Männerwelt, wertester
Part-Time-Lover in spe, einigen wir uns so: Maximale Liebe und maximale Freiheit können zusammengehören. Wie das „Part-Time“ und der
Geliebte. Fragen wir daher nicht, wie viel wir miteinander teilen, fragen wir lieber, was uns verbindet.
Übrigens: Sex auf den Toiletten zwielichtiger Salsa-Clubs muss gar nicht so schlecht sein.
We do not waste
time.