Vor fünf Jahren hat Superman/Clark Kent die Erde verlassen, um nach den Resten seines Heimatplaneten Krypton zu suchen. Als er zurückkehrt, muss er feststellen, dass sich die Welt weiter gedreht hat:
Lois Lane hat mittlerweile einen Sohn und ist mit dem Neffen ihres Chefs liiert. Bösewicht Lex Luthor ist aus dem Gefängnis entlassen und schmiedet wieder Welteroberungspläne.
Zumindest sorgt Letzteres dafür, dass sich Superman nicht ganz nutzlos fühlen muss. Er tritt wieder einmal zur Rettung seines Adoptivplaneten an und leidet diesmal mehr als in allen bisherigen vier Filmen zusammen.
„X-Men“-Regisseur Bryan Singer ist durchaus ein Wagnis eingegangen, als er sich zum Superman-Remake überreden ließ. Das Original von Richard Donner gilt als eine Ikone amerikanischer Filmkunst. Selbst die zunehmend schlechten Fortsetzungen haben sich tief ins Bewusstsein der Filmfans eingebrannt. Das lag nicht zuletzt an Hauptdarsteller Christopher Reeve, der seit seinem furchtbaren Reitunfall und seinem Tod im letzten Jahr wie ein "Superman-Messias" verehrt wird.
Große Fußstapfen für den Newcomer Brandon Routh in der Doppelrolle Clark Kent/Superman! Glücklicherweise hält er nicht nur dem Vergleich mit Reeve stand, sondern liefert eine wirklich beeindruckende Leistung ab. Dieser Superman lebt, leidet und liebt. Sein Clark Kent ist endlich nicht mehr nur ein liebenswerter Trottel.
Nichts gegen die alten Filme, aber damals wirkte der Stählerne etwas hölzern und der blasse Kent wie ein wandelndes Filmklischee! Auch Kate Bosworth als Lois Lane spielt glaubhafter als ihre Vorgängerin Margot Kidder.
Am meisten überrascht Kevin Spacey: In seiner Rolle als Lex Luthor hegt er zwar immer noch verrückte Pläne, aber bei aller Absurdität strahlt er dennoch eine gewisse Gefährlichkeit und Unberechenbarkeit aus. Generell ist das Update der Story allen Charakteren sehr gut bekommen. Mal abgesehen von Marlon Brando, dessen computergenerierter Gastauftritt unnötig erscheint!
Typisch Hollywood: In „Superman Returns“ ist natürlich alles größer, schneller und lauter. Dies fällt vor allem im direkten Vergleich mit der 78er-Version auf. Heute reicht es nicht mehr, dass ein Mensch fliegen kann. Jetzt wirbelt er förmlich durch die Luft!
Vor fast dreißig Jahren war es noch ausreichend, einen Helikopter zu retten. Nun ist es ein Jumbojet mit aufgepacktem Space Shuttle, in dem Starreporterin Lois Lane auf ihren blau-rot gekleideten Retter wartet. Alle klassischen Szenen des Vorgängers wurden auf diese Wiese angepasst.
Trotzdem nimmt sich „Mr. Supie 2006“ noch viel Zeit für Gefühle. Ruhige Passagen wechseln sich bruchlos mit atemloser Action ab. Der ein oder andere Drehbuchtwist sorgt dafür, dass sich selbst Fans des alten Films nicht langweilen. Das offene Ende geriet vielleicht ein wenig zu schmalzig und pompös. Dennoch ist der Film bedeutend besser und unterhaltsamer, als man es erwarten konnte.
„Superman Returns“ ist ein faszinierendes Kinoerlebnis mit einem nahezu perfekten Mix aus Action, Drama und brillanter, meist selbstironischer Komödie. Die bisher recht schlechten US-Einspielergebnisse des Streifens sind deshalb bedauernswert. Werden sie am Ende für eine neue Serie von Filmen ausreichen? Wer will, dass Superman nochmals zurückkehrt, rennt ab 17. August ins Kino!
Fazit: Der Mann in Blau-Rot ist zurück und besser als jemals zuvor! „Superman Returns“ erweist sich als ein Meisterwerk des Kommerzkinos und ist in zehn Jahren sicherlich ein Klassiker. (dia)

Produktion: USA, 2006
Länge: 154 Minuten
FSK: ab 12 Jahren
Regie: Bryan Singer
Drehbuch: Michael Dougherty, Dan Harris
Besetzung: Brandon Routh, Kate Bosworth, Kevin Spacey, James Marsden
Kino-Start: 17/08/06
Links:
>> Offizielle Filmseite
>> IMDB
Fotos: © 2006 Warner Bros. Ent.
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