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 Teleterror/ZappingFreitag, 27. April 2007 um 09:50:14
Wackelbildsoap zum Abgewöhnen
von Michael Bauer

Willkommen in der "Ahornallee"! Unter uns gesagt: Hier werden wir nur schlechte Zeiten erleben. Allerdings wie lange noch? Denn alles, was zählt, sind gute Einschaltquoten!

Das hatte uns gerade noch gefehlt – noch so eine tägliche Serie. Als gäbe es nicht schon genug seichte Soaps und Telenovelas im TV-Programm! Deshalb hat RTL diese Begriffe wohl auch von Anfang an vermieden und das neue 17-Uhr-Format „Ahornallee“ lieber als „Nachmittagsserie“ bezeichnet.

Leider macht das die Sache nicht wirklich besser: Die Zuschauer dürften sich in der „Ahornallee“ mindestens genauso unwillkommen fühlen wie die Serienfamilie um den allein erziehenden Witwer Willi Schlosser. Die versnobten Bewohner begegnen ihrem neuen Hausmeister und seinen zwei Kindern ziemlich respektlos und unverschämt.
Eine regelrechte Zumutung – genau wie die unruhige Kameraführung!

Schwindelgefühle inklusive…

Sollen die verwackelten Bilder etwa die junge Zielgruppe ansprechen? Oder ist das Ganze ein Set-Problem? Gedreht wird nämlich nicht wie bei anderen Soaps im Studio, sondern „on location“ in einer alten Gründerzeitvilla in München. Vielleicht sind dort einfach die Platzverhältnisse begrenzt und die Kameramänner stolpern ständig über den herumliegenden Kabelsalat.

Andere Theorie: Sie haben sich vor Drehbeginn schon zulaufen lassen, um das unglaublich miese Laienschauspiel der Darsteller zu ertragen. Denn das ist wie bei „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“, nur komplett ohne gute Zeiten. Kein Wunder: Wenn RTL schon auf Castingsternchen der Konkurrenz zurückgreifen muss, darf man nicht allzu viel erwarten.

Abgelegter Castingstar…

Ausgerechnet Florence Joy Büttner, die längst vergessene Gewinnerin der Sat.1-Catingshow „Star Search“, spielt eine der Hauptrollen in der „Ahornallee“. Jedenfalls versucht sie es. Vermutlich hat ihr irgendjemand eingeredet, sie hätte Talent dafür. Es muss dieselbe Person gewesen sein, die RTL davon überzeugt hat, die Schnellschuss-Serie überhaupt ins Programm zu nehmen.

Warum nicht lieber gleich eine weitere Gerichtsshow? Dafür hätten auch die Fähigkeiten der kleinen Büttner gereicht. Aber nein – eine weitere Soap musste es sein! Dabei hat RTL immer noch regelmäßig mit den Einschaltquoten von „Alles was zählt“ zu kämpfen. Die tägliche Konkurrenzserie zu „Verliebt in Berlin“ holt seit ihrem Start im letzten Jahr nur bescheidene Werte. Verglichen mit den Quoten der neuen Serie sind sie jedoch bombastisch gut!

Schreck, lass nach…

Bereits der Auftakt der „Ahornallee“ am 16. April missglückte mit insgesamt nur 0,81 Millionen Zuschauern. Zu Beginn der zweiten Sendewoche schalteten bloß noch 660.000 Interessierte ein. Die sind bestimmt beim Zappen hängen geblieben und verfolgten – zugleich fasziniert und fassungslos – das große Grauen am TV-Nachmittag.

Horror gehört ins Nachtprogramm, daran sollte sich auch RTL halten! Wahrscheinlich ist es aber nur eine Frage der Zeit, bis die „Ahornallee“ auf einem Sendeplatz weit nach Sonnenuntergang verschwindet.

Dort laufen dann noch die bereits produzierten Folgen, bis der Gehsteig in der Serienstraße für immer hochgeklappt wird. Besser ist’s so!


Fotos: RTL

 


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Infos zum Autor

Michael Bauer wurde 1980 in Leonberg geboren und arbeitet als Redakteur und freier Autor. Momentan lebt er im badischen Ettenheim bei Lahr im Schwarzwald.


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