Holland sucht die Spenderniere
von Michael Bauer
Endemol schockiert mal wieder: Nach dem Voyeurliebling „Big Brother“ und dem TV-Samenduell „Sperm Race“ kommt jetzt „Die große Spendershow“. Neue Niere gefällig?
Die spinnen doch, die Holländer: In einer niederländischen TV-Show mit dem Titel „Die große Spendershow“ treten drei Dialyse-Patienten an, um sich für die Niere einer todkranken Frau zu bewerben. Wer die Organspende am Ende bekommt, entscheiden die Fernsehzuschauer des öffentlich-rechtlichen Senders BNN per Televoting. Die übliche Televoting-Routine… Schließlich sind diese längst darin erprobt, wichtige Entscheidungen über Leben und Tod zu treffen: Regelmäßig bestimmen sie, wer neuer Superstar wird oder wieder in der Castingversenkung verschwindet. Sie treffen die Wahl, welches zeigefreudige „Big Brother“-Luder den TV-Container verlassen muss oder welcher C-Promi nicht mehr länger übers Tanzparkett stolpern darf. So ein kostenpflichtiger Anruf für eine TV-Organspende geht da ziemlich routiniert von der Hand. Die Gebühren zahlt man gern, ist ja für einen guten Zweck! Ganz bestimmt gibt es auch etwas zu gewinnen: Vielleicht eine funktionstüchtige Niere für den eigenen Gebrauch? Oder eine neue Leber? Spender-Nachwuchs verzweifelt gesucht… Die vielen Sixpacks, die während so einer hoch spannenden Endemol-Show konsumiert werden, hinterlassen schließlich ihre Spuren. Fall es mit dem Gewinn doch nicht klappen sollte und das Ende naht, hat ein TV-süchtiger Alkoholiker dennoch Grund zur Freude. Sein größter Wunsch wird wahr: Kurz vor seinem Ableben wird er selbst zum Fernsehstar! Endemol wird ihn mit Kusshand empfangen – opferwillige Kandidaten für die neue Spendershow sind nämlich gar nicht so einfach zu casten. Wenn es in Holland wider Erwarten doch nicht so viele Alkoholiker im Endstadium gibt, können die Show-Verantwortlichen vielleicht auf abgestürzte Castingsternchen zurückgreifen. Die sind per Knebelvertrag noch an die Produktionsfirma gebunden und müssen sich zur Not eben auch für eine Organspende aufopfern! Hoffnung für Michael Jackson… Wenn „Die große Spendershow“ gute Quoten holt, ist eine Promi-Version des Formats nur noch eine Frage der Zeit. Michael Jackson und Cher könnten sich in einer möglichen US-Adaption des TV-Hits um ein neues Gesicht bewerben. Als mögliche Spender würden sich zum Tode verurteilte Schwerverbrecher anbieten. Um die Einschaltquoten zusätzlich in die Höhe zu jagen, könnte man diesen zunächst vor laufender Kamera die Todesspritze verabreichen. Danach wird die Live-Transplantation vorgenommen – das Ganze natürlich schön blutig in Szene gesetzt! Hauptsache geschmacklos, unmoralisch und tabulos – damit lässt sich am meisten Kohle machen! Endemol will nur das Beste… Doch Endemol denkt wie immer auch an die erzürnten und besorgten Kritiker. Diesen will die Produktionsfirma weismachen, dass hinter der neuen Organspende-Show ein ganz vorbildlicher Gedanke steckt: Das Format sei eine Hommage an den ehemaligen BNN-Chef, der an Nierenversagen gestorben ist. Die Sendung solle auf den Mangel an Spenderorganen in den Niederlanden aufmerksam machen. Achso, na dann geht das natürlich klar: Zumindest für alle Zuschauer, die ihr Gehirn bei der letzten Endemol-Charity-Show vor Weihnachten gespendet haben…
>> Update: Spendershow war nur inszeniert! Fotos: pixelio.de
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Michael Bauer wurde 1980 in Leonberg geboren und arbeitet als Redakteur und freier Autor. Momentan lebt er im badischen Ettenheim bei Lahr im Schwarzwald. |
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