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 Teleterror/ZappingMittwoch, 08. August 2007 um 12:22:10
Das Absetzungssyndrom
von Michael Bauer

Ohne Top-Quoten keine Top-Werbeeinnahmen: Deshalb ignorieren die TV-Sender die Gesundheit der Zuschauer. Serienfans leiden unter dem A-Syndrom!

Geld regiert die Fernsehwelt: Wenn eine Serie auf Anhieb keine guten Quoten holt, wird sie kurzerhand aus dem Programm geschmissen. Geduld und Ausdauer sind Fremdwörter für die TV-Riesen, die Zuschauer dagegen kennen sie nur zu gut: Oftmals warten sie jahrelang sehnsüchtig, aber vergebens auf eine mögliche Rückkehr ihrer abgesetzten Lieblingssendung.

Vereinzelte Fernsehopfer leiden sogar schon unter einer gefährlichen Krankheit, dem so genannten Absetzungssyndrom. Experten prophezeien, dass die Zahl der Erkrankten in den nächsten Jahren erschreckend ansteigen wird. Ist die Katastrophe noch zu stoppen?

Die Antwort lautet vermutlich: Nein! Wenn sich das TV-Biz weiter so entwickelt wie momentan, wird es 2010 in Deutschland genauso viele Absetzungssyndrom-Kranke wie Arbeitslose geben. So lauten die inoffiziellen Schätzungen, die Dunkelziffer wird dabei nicht einmal berücksichtigt! Doch was genau ist das Absetzungssyndrom? Welche Ursachen hat es und welche Symptome sind Anzeichen für eine Erkrankung?

Schlimme Aggression und Apathie…

Es heißt, erste schwerwiegende Fälle des A-Syndroms sind vor etwa drei Jahren bei ProSieben-Zuschauern aufgetreten. Betroffen waren treue Fans der US-Serie „Alias“. Diese kickte der Münchner Sender wegen zu geringer Quoten aus dem Programm und ließ sie bis vor kurzem in seinem Archiv verstauben.

Nach der plötzlichen Absetzung waren bei den „Alias“-Stammzuschauern zunächst unkontrollierte Wutanfälle zu beobachten. Das Versprechen von ProSieben, bald einen neuen Sendeplatz für die Serie zu finden, sorgte nur für eine kurzzeitige Besserung. Als sich auch Monate später noch nichts getan hatte, stürzten die Betroffenen in ein tiefes Loch.

„Ich habe kaum noch die Wohnung verlassen, saß nur noch apathisch vor der Glotze und litt unter fürchterlichen Depressionen“, so der ganz typische Bericht eines A-Syndrom-Patienten.

„Die Fernsehsender wecken zunächst das Interesse der hilflosen Zuschauer, schalten Dauerwerbung für eine neue Serie. Viele Zuschauer beißen an, einige werden schon nach kurzer Zeit richtig süchtig nach einer Sendung. Sie wird zum Ritual, das fest im Alltag integriert ist. Wenn so eine Serie plötzlich und ohne Vorwarnung abgesetzt wird, reißt man den Zuschauern quasi den Boden unter den Füßen weg“, versucht TV-Doktor K. Brinkmann die Ursachen der heimtückischen Krankheit zu erklären.

Ohne Rücksicht auf Verluste…

Doch auf die Gesundheit der empfindlichen Zuschauer nehmen die Sender schon lange keine Rücksicht mehr. Die rote Sieben ist da kein Einzelfall, auch wenn sie nach vorzeitigen Absetzungen von Serien wie „Nip/Tuck“, „Las Vegas“ oder zuletzt „The 4400“ besonders viele A-Syndrom-Opfer zu verantworten hat.

Lockt eine Serie nicht sofort Millionen vor die Glotze, wird einfach kurzer Prozess gemacht. Ganz egal, wie sehr die Kritiker von ihr schwärmen. Ganz egal, welches langfristige Potenzial in ihr steckt. Im knallharten Quotenkampf der Sender geht es eben längst nicht mehr um Inhalte oder gar um eine Zufriedenstellung der Zuschauer. Die sollten als „Kunden“ eigentlich wie Könige behandelt werden.

Stattdessen schauen sie immer öfter enttäuscht in die Röhre – vielleicht schon bald ganz apathisch. Das A-Syndrom kann jeden treffen!

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Fotos: Touchstone Television, MGM Worldwide Television Inc., Warner Bros. Entertainment Inc.


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Infos zum Autor

Michael Bauer wurde 1980 in Leonberg geboren und arbeitet als Redakteur und freier Autor. Momentan lebt er im badischen Ettenheim bei Lahr im Schwarzwald.


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