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20something | Donnerstag, 10. April 2008 um 17:19:56 |
| 9. Zu Gast bei Jane Austen
von Lina
Normalerweise wollen Eltern den perfekten Partner für ihre Töchter finden. Manchmal ist der „Nächstbeste“ aber auch gut genug. Oder: Die Welt im Verkupplungs-Wahn…
Vor mehreren Monaten haben mein Freund und ich uns getrennt. Nach einer Beziehung von einem halben Jahrzehnt beschlossen wir, getrennte Wege zu gehen. Distanz tut der Beziehung eben selten gut. So bin ich noch immer Single. Während mein Vater sich kaum dazu äußert, schlägt meine Mutter mir vor, Männer kennen zu lernen. Vielleicht ist der Richtige dann auch dabei?
Zu Lebzeiten der berühmten Schriftstellerin Jane Austen hatten die Eltern im Sinn, eine gute Partie für ihre Töchter zu finden. Viele Frauen aus unterschiedlichen Gesellschaftsschichten hatten kaum Möglichkeiten, überhaupt Geld zu verdienen, um sich über Wasser zu halten.
Manche Töchter waren bereits durch ihre Eltern finanziell abgesichert. Doch für andere bedeutete die Heirat mit einem wohlhabenden Mann eine sorgenfreie Zukunft. Aber wir leben im 21.Jahrhundert, in dem die Frau auch auf eigenen Beinen stehen kann! Warum also die Sorge, dass ich solo bin? Da ich kein hoffnungsloser Fall bin, verstehe ich nicht, wieso mich meine Mutter dazu anspornt, mit diesem oder jenem Verehrer auszugehen. Vor acht Jahren war es noch ganz anders!
„Lerne ihn doch erst mal kennen. Vielleicht wirst du ihn mögen“, schlug meine Mutter vor, was den jungen Mann von neulich anging. Der Typ hat mir zwar optisch gefallen. Wenn aber seine Persönlichkeit nicht stimmt, weil er hin und wieder zu Arroganz neigt und betrunken ziemlich anstrengend wird… wieso soll ich meine Zeit mit ihm verbringen? Ich fühle mich ein bisschen wie Lizzie Bennet, die erfolgreich verheiratet werden soll. Glücklicherweise ist meine Mutter nicht wie Mrs. Bennet. Doch nicht nur meine Eltern, sondern auch meine Freunde nehmen sich in ihrem Pärchen-Wahn die Freiheit heraus, mich mit jemandem zusammenzubringen. Zum Beispiel mit einem, der eine Ersatzmama sucht. Nein, danke!
Allerdings hat meine Mutter Recht: Ich werde durch das Single-Dasein intolerant. Wie soll ich jedoch einen anständigen jungen Mann kennen lernen, wenn ich den ganzen Tag an den Schreibtisch gefesselt bin? Dank Hausarbeiten und Referaten sind mein PC und ich während des Semesters und der Ferien noch bessere Freunde geworden. Zum Glück gibt es noch die Wochenenden. Da wird dann in der Disco bis zum Morgengrauen getanzt.
Der Richtige wird mich schon finden. Oder ich ihn. Wie dem auch sei, ich bleib weiterhin optimistisch! In der Zwischenzeit kümmere ich mich um mein Studium.
Alle Kolumnen von Lina: 1. Studentenleben | 2. Kleine Geheimnisse | 3. Zukunftsvisionen | 4. Endstation 30something | 5. Was wirklich zählt | 6. Bye-bye, best friend! | 7. Cola-Trick und Schnarchjungs | 8. Richtige Frauen | 9. Zu Gast bei Jane Austen |
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