Es gibt definitiv noch Hoffnung, auch für deutsche Casting-Entdeckungen. Sebsatian Hämer hat vorgemacht, dass es auch ohne Bohlen-Schmonzetten und mehr als die berühmt-berüchtigten fünf Minuten im Rampenlicht geht. 2003 nahm der Rostocker in der ZDF-Show „Die deutsche Stimme 2003“ teil und kam danach beim Frankfurter Label 3p unter.
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Erst drei Jahre später war das Debütalbum „Der fliegende Mann“ im Kasten und brachte mit „Sommer unseres Lebens“ auf Anhieb einen Top-10-Hit hervor. Die Presse feierte Hämer als neuen Xavier Naidoo. Doch nach den weiteren Singleauskopplungen „Nur mit Dir“ und „Immer noch“ wurde es leider wieder still um den Newcomer. Lediglich auf Sabrina Setlurs erfolglosem 2007er-Longplayer „Rot“ gab Sebastian noch ein Gastspiel. Danach beschloss er, neue Wege zu gehen – ohne 3p.
Der Sänger tat sich mit anderen Musikern aus seiner Heimatstadt zusammen und gründete eine Band, mit der er fortan an Songs für sein zweites Album arbeitete. Dies ist nun deutlich live-orientierter und weniger samplelastig ausgefallen als der Erstling. Dennoch knüpft „Flugplan 2“ ungefähr da an, wo „Der fliegende Mann“ aufgehört hat. Hämer setzt auch weiterhin auf stimmungsvolle Popsongs mit schön brummelnden Basslines, warmen Synthie-Streichern, dezenten, elektronischen Beats und wunderbar eingängigen Melodien.
Songs voller Hoffnung und Melancholie…
Die Trennung von 3p spiegelt sich vor allem in den Lyrics wider: Statt coolen Rapper-Phrasen aus der Feder von Moses Pelham und Martin Haas, liefert Hämer nun eigene Texte ab und beweist dabei ein äußerst gutes Gespür für das gesungene Wort. Bei hoffnungsvollen Stücken wie „Wir glauben euch“, eine potenzielle Fußball-WM-Hymne für 2010, „Steig mit ins Boot“ und „Nur wer liegen bleibt“ liegen erneut Vergleiche mit Naidoo nahe. Der Unterschied: Hämers Mut machende Parolen erweisen sich als ehrlicher, verständlicher und weniger belehrend als die seines predigenden Kollegen.
Auch mit seiner melancholischen Seite weiß Sebastian zu überzeugen: Bei dem kraftvollen „Wieso bist du weg“, dem schwermütigen, angerockten „Is’ schon OK“ und der ruhigen Pianonummer „Unendlichkeit“ kommt seine soulige, gefühlvolle Stimme besonders gut zur Geltung.
Eine runde Sache trotz Tempotreue…
Vielleicht hätte man sich insgesamt noch ein paar mehr groovende Uptempo-Stücke wie „Ganz egal“ oder „Lauf“ für mehr Abwechslung gewünscht. Die Lieder auf „Flugplan 2“ bewegen sich fast alle im konstanten Mid- und Balladentempo-Bereich. Doch das bleibt auch schon das einzige, wirklich kleine Manko der Scheibe.
Sebastian Hämer ist ohne Frage ein rundes Deutsch-Popalbum gelungen, das im Gegensatz zu Naidoos anstrengendem 35-Titel-Werk „Alles kann besser werden“ ganz ohne Füllmaterial auskommt.
Fazit: Dieser Flugplan geht voll und ganz auf! (mb)

Anspieltipps: „Dieses Mal“, „Steig mit ins Boot“, „Wieso bist du weg“
Für Fans von: Xavier Naidoo, Söhne Mannheims, Laith Al-Deen
Playlist:
01. Intro
02. Dieses Mal
03. Ein neues Blatt
04. Steig mit ins Boot
05. Wir glauben an euch
06. Lauf
07. Lippen die Lügen
08. Wieso bist du weg
09. Bei dir
10. Auch wenn du gehst
11. Ausfahrt
12. Nur du
13. Nur eine Weile
14. Ganz egal
15. Is' schon OK
16. Nur wer liegen bleibt
17. Unendlichkeit
18. Outro
VÖ: 26/02/10 (DARSS-RECORDS/Sony)
Link: www.SebastianHaemer.com