Das Beste an der Scheibe vorab: Es ist keine
einzige Bohlen-Komposition dabei – dafür ausgelutschte Titel, die bereits von unzähligen Castingkandidaten dieser Welt vergewaltigt wurden.
Doch lassen wir die Titelauswahl einmal außer Acht. Das tatsächlich Spannende an der Produktion ist die Frage, welcher der Kandidaten am besten
auf CD rüberkommt.
DSDS-Rocker Tobias Regner singt Joshua Kadisons „Jessie“ zwar gefühlvoller als bei seinem
Live-Auftritt in der Show. Allerdings klingt das so aufgesetzt und schleimig, dass ihm das keiner abkauft.
Wie die Faust aufs Auge passt
dagegen der Titel „Hero“ von Mariah Carey zur Goldkehle von Vanessa Jean Dedmon. Wenn die 18-Jährige Deutschlands neues Supersternchen
werden sollte, muss sich Sarah Connor warm anziehen.
Kandidat Nevio Passaro lässt mit „Se Bastasse Una Canzone“ von Eros
Ramazzotti den Italiener raushängen. Seine Stimme hat ohne Frage einen großen Wiedererkennungseffekt. Aber braucht die Popwelt – und darauf
würde es hinauslaufen – wirklich noch einen Italo-Kuschelrocker?
Carolina Escolano-Fernandez, die bereits in der ersten Mottoshow
gehen musste, klingt mit „The First Cut Is The Deepest“ erstaunlich gut. Da ist dieser sympathische Country-Kickser in ihrer Stimme, der sogar
ein bisschen an LeAnn Rimes erinnert.
„Love’s Divine“ in der Interpretation Mike Leon Grosch liefert auch schon die Antwort
auf die Frage, wer den Plattenvertrag verdient hat. Zwar dudelt im Hintergrund nur ein lahmes Karaoke-Playback des Seal-Songs. Doch Mikes kratzig-souliger
Gesang hat dieses gewisse Etwas! Superstar gesucht und gefunden! Müssen wir uns den Rest also wirklich noch antun?
Okay, Lena Hanenberg hat
für ihre 16 Jahre eine außerordentlich reife Stimme. Das beweist sie selbst beim Bangles-La-La-Liedchen „Eternal Flame“. Die
RTL-Zuschauer haben das DSDS-Küken aber bereits bei der Mottoshow „Rock Classics“ aussortiert.
Zum Glück ist auch Daniel
Muñoz-Lopez draußen: Seine Version von „Now And Forever“ würde Bohlen als Froschkonzert bezeichnen. Das quäkt
böse!
Dascha Semcov, die nach
der zweiten Mottoshow flog, schlägt sich ganz passabel mit „Nothing Compares 2 U“. Trotzdem bleibt sie Lichtjahre hinter Sinead
O’Connor zurück. Über R. Kellys „I Believe I Can Fly“ und Stephan
Darnstaedt wollen wir an dieser Stelle keinen bösen Kommentar verlieren. Selbst der wäre es nicht wert …
„Wish You Were Here“, im Original von Rednex, brachte Kandidatin Anna-Maria Zimmermann schon in der Show kein
Glück. Der Vortrag des Titels brachte ihr das Aus. Auch auf CD gehen ein paar Tönchen ganz leicht daneben.
Als überflüssige Zugabe gibt’s zum Schluss noch „Back For Good“ als gemeinsamen Titel der
DSDS-Jungs und „2 Become 1“ als Song der Superstar-Mädels.
Danach sind alle froh, dass RTL keine Boy- oder Girlgroup sucht!
Fazit: Karaoke-DVD kaufen und selber singen! (mb)

Anspieltipps: „Love’s Divine“, „Hero“
Für Fans von: Deutschland sucht den Superstar, Gracia, Alexander Klaws, Daniel Küblböck
Playlist:
01. Tobias Regner: Jessie
02. Vanessa Jean Dedmon: Hero
03. Nevio Passaro: Se
Bastasse Una Canzone
04. Carolina Escolano-Fernandez: The First Cut Is The Deepest
05. Mike Leon Grosch: Love's Divine
06. Lena Hanenberg:
Eternal Flame
07. Daniel Muñoz-Lopez: Now And Forever
08. Dascha Semcov: Nothing Compares 2 U
09. Stephan Darnstaedt: I Believe I
Can Fly
10. Anna-Maria Zimmermann: Wish You Were Here
11. Back For Good
12. 2 Become 1
VÖ: 13/02/06
(SonyBMG)